
Nach drei Jahren bringt setzt Square Enix endlich die Kingdom Hearts-Reihe fort - und erzählt die Geschichte des "anderen" Helden aus Kingdom Hearts II, nämlich Roxas und dessen Zeit in der Organisation XIII. Das Interquel versucht die Fehler seiner teilweise brillanten Vorgänger zu korrigieren und das einzigartige Spielgefühl auf den DS zu übertragen - ob das gut geht?
Die Geschichte - 358 Tage Ungewissheit
"Wer bin ich?" - Eine Frage, die sehr gut Roxas' erste Minuten auf der Welt beschreibt. Umgeben von Dunkelheit wandelt er sieben Tage lang durch Twilight Town, dem Ort, an dem alle Niemande ankommen, wenn sie erschaffen werden. Doch dann trifft Roxas einen geheimnisvollen Mann in einem schwarzen Umhang - ein Ereignis, dass über Roxas' Schicksal entscheidet.
Der Mann führt Roxas' zur Organisation XIII, einer Gruppe von dreizehn Niemanden, die davon träumen, "komplett" zu sein - was immer das auch heißen mag. Die ersten Tage wird er von den anderen Mitgliedern in den Kampf eingeführt, doch nun gilt es für Roxas, Herzen zu sammeln. So lange bis Kingdom Hearts am Nachthimmel erstrahlt und das Ziel der Organisation XIII erfüllt ist.
Leider hat man bei
Kingdom Hearts: 358/2 Days auf eine deutsche Synchronisation verzichtet - ein Manko, welches zwar nicht die Welt kostet, aber doch immer ein Markenzeichen der Kingdom Hearts-Reihe war. Die wichtigsten Schlüsselstellen werden in opulent gestalteten Zwischensequenzen gezeigt, deren Grafik an die der PS2 erinnert. Der Einstieg ins Spielgeschehen dauert nur wenige Minuten - nach dem knapp gehaltenen Intro mit dem Song "Sanctuary" von Hikaru Utada kann man direkt loslegen.
Das Spielsystem - Tafelsystem hui, Kamera pfui

Nach dem von vielen Spielern verhasste Kartenkampfsystem aus dem GBA-Ableger "Chain of Memories" hat man sich bei 358/2 Days wieder zum altbewährten Action-Kampfsystem bekannt. Das System wurde mit geringen Abstrichen von der PS2 auf den DS übertragen, der Umstieg fällt nicht schwer.
Zu bemängeln ist allerdings die nach wie vor schlecht programmierte Kamera, die sich zwar nachjustieren lässt, was aber während eines Gefechts unmöglich ist: Die Kamera wird nämlich mit dem Stylus bedient. Leute, die nicht gerade über drei Hände verfügen, werden wohl oder übel mit der wirklich extrem dummen Kamera leben müssen, da mit der linken Hand bereits die Figur gesteuert wird und die rechte Hand zum Eingeben der Befehle beansprucht wird... Allerdings ist es mit Hilfe der R-Taste möglich, einen Gegner bzw. einen Gegenstand, der angreifbar ist, an zu visieren.
Viel besser und ausgereifter wirkt hingegen das wirklich grandiose Tafelsystem. Das Tafelsystem löst das alte Level- und MP-System der Vorgänger ab und bietet vor allem im Multiplayer eine Möglichkeit, die Stärke der Figuren anzupassen. Egal ob Stufen-, Magie- oder Zubehörtafeln: Alles, was man in der momentanen Mission braucht, wird ins Tafelsystem installiert und kann dann benutzt werden. Zu Beginn des Spiels stehen dem Spieler nur wenige Felder zur Verfügung, diese werden aber mit Fortschritten in der Story immer erweitert, sodass einem am Ende des Spiels bis zu 120 Tafeln zur Verfügung stehen können. Der Vorteil davon ist, dass Zauber nahezu unendlich oft benutzt werden können - je nach Anzahl der Tafeln und Verbindungen der Magietafeln, die installiert wurden.

Eine weitere Neuerung ist die Art des Reisens. In Kingdom Hearts und seinem Nachfolger gelangten Sora und Co. mit Hilfe des Gumi-Schiffs von der einen Welt zur anderen. Doch wie kommen nun Roxas und seine Kollegen der Organisation XIII zu ihren Einsatzorten? Ganz einfach: Sie benutzen die dunklen Korridore, die man schon in Kingdom Hearts II bewundern konnte. Nervige Shoot'em Up-Sequenzen entfallen auf diesem Weg, denn die Korridore bringen Roxas direkt zum Einsatzort.
Leider wiederholt sich die gut gemeinte Missionsstruktur des Spiels viel zu oft, so dass man oft an mangelnder Abwechslung leidet. Viele Aufgaben verlaufen nach folgendem Schema: Gebiet betreten ? Herzlose eliminieren ? Bosskampf. Gutes Timing erfordern die Schleichmissionen, in welchen bestimmte Ziele erreicht werden müssen, ohne dabei von den anwesenden Charakteren entdeckt zu werden.
Der Multiplayer - Herzstück des Spiels

Der Multiplayer des Spiels gehört wohl mit zu den besten, die man momentan kennt: Bis zu vier Spieler können in den aus dem Hauptspiel bekannten Missionen gegeneinander und miteinander spielen, am Ende erhalten die Spieler ihren Leistungen entsprechend Kronen und Siegel, die im Mogry-Shop gegen neue Tafelfelder, Tafeln und andere Items ausgetauscht werden können. Leider ist es nicht möglich, komplett online zu spielen. Das heißt, eure Spielpartner müssen wohl oder übel mit euch im gleichen Raum sitzen. Warum man gerade bei einem so grandiosen Feature keine volle Online-Unterstützung eingebaut hat, bleibt wohl für immer ein Geheimnis von Square Enix. Wegen des oben erklärten Tafelsystems kommt es auch nicht zu Chancenungleichheiten, bei der hochgestufte Charaktere eindeutig anderen gegenüber im Vorteil sind.
Die Pflichtmissionen des Spiels können alle im Multiplayer erneut mit bis zu drei Freunden gespielt werden. Man merkt klar, dass Days besonders auf diesen Modus Wert legt.
Technisches - Grafik, Musik & Sprachausgabe
Was die Technik betrifft, ist
Kingdom Hearts: 358/2 Days eine Wucht. Neben glasklarer Musik und Sprachausgabe besticht Days vor allem mit der grandiosen 3D-Grafik, die den DS bis aufs Letzte ausreizt. Die Grafiken erinnern an eine aufpolierte Version der InGame-Grafiken von Final Fantasy VIII, sind also gerade auf dem DS wunderschön anzusehen. Auch schön zusehen ist, dass die Welten des Spiels aus den Playstation-Spielen nahtlos auf den DS übertragen wurden. Kenner der Reihe dürfen sich aber auch auf einige neue Gebiete freuen. Beispiel Agrabah: Obwohl Teile der Stadt nicht mehr zugänglich sind, wurde ein gigantisches Gebiet hinzugefügt. Die wenigen Videosequenzen sind komplett im Stil der PS2-Abenteuer gehalten und wurden auch synchronisiert.
Leider wurden viele der Tracks des Spiels einfach aus den Vorgängern entnommen, sodass man auf nur wenig neue Musik trifft. Allerdings gehören Xions und Rikus Themen zu den traurigsten Stücken, die man wohl bisher bei Kingdom Hearts gehört hat. Die übliche Variation von "Dearly Beloved", dem Hauptthema von Kingdom Hearts, ist ebenfalls wunderschön und lädt einfach nur zum Träumen ein. Yoko Shimomura als Stammkomponistin der Reihe fängt mit ihren Melodien perfekt die Stimmung ein, die zum Kingdom Hearts passt.
Die Sprachausgabe ist ein zweischneidiges Schwert - Einerseits sind die Sprecher teilweise perfekt für ihre Rollen ausgewählt, andererseits ist sie auf Englisch, was den einen oder anderen von einem Kauf abschrecken könnte. Von den Hauptcharakteren "versagt" nur Roxas, allerdings ist auch er in bestimmten Szenen extrem stark. Die anderen sind gut und passen auch zu ihren Rollen. Schön zusehen ist auch, dass man alle Synchronsprecher wieder zurück zur Reihe holen konnte. Besonderer Pluspunkt: Xions Stimme erweckt die Trauer im Ending, die auch die japanische erreicht hat.
Fazit - Tag 359/Ende.
Kingdom Hearts: 358/2 Days gehört zum Olymp der DS-Rollenspiele. Das hat das Spiel vor allem seiner grandiosen Grafik, der wunderschönen Musik, aber vor allem voran der traurigen Geschichte, die wohl die bisher beste in der KH-Reihe ist. Leider bleiben viele Details Spielern unbekannt, die nicht über Vorwissen aus den anderen drei bzw. fünf Teilen verfügen. Allerdings ist dies zu verkraften, schließlich richtet sich 358/2 Days explizit an Spieler, die mehr über Roxas und die Organisation XIII erfahren wollen.
Perfekt ist das Spiel aber lange nicht. Das Spiel kommt viel zu langsam in Fahrt, gerade das Tutorial spielt sich äußerst zäh, und die Missionsstruktur bietet zu wenig Abwechslung. Allerdings baut sich gegen Ende des Spiels eine so ungeheure Spannung auf, dass es jedem Spieler schwer fallen wird, den DS beiseite zu legen.
Alles in allem ist Kingdom Hearts: 358/2 Days ein Muss für alle KH-Fans. Anderen ist jedoch von einem Kauf eher abzuraten, da das Spiel einfach zu viel Vorwissen verlangt. Wer neu in die Serie einsteigen will, der wartet lieber auf Kingdom Hearts: Birth by Sleep für die PSP. Aber Fans der Reihe finden in 358/2 Days ein Spiel, dass sie "von Herzen gern" verschlingen werden.